Wenn ich die alten Uhren bekomme, sieht man, dass sich lange keiner mehr um sie gekümmert hat. Oft müssen sie als erstes mal unter die Dusche, um sie um sie von sechsbeinigen Mitbewohnern und einer Dreckkruste zu befreien. Der letzte Stell- oder auch Stallplatz der alten Uhr ist unschwer zu erahnen.
So, und dann kommt die letzte Haut zum Vorschein. Nimmt man eine feine Klinge und schneidet die Farbschichten schräg an, dann sieht man wie viele Lagen Schminke, je nach Geschmack auf diese Standuhr aufgetragen wurden. (Sehen Sie dazu auch das Foto am Ende des Artikels.)
Und so überlege ich mir dann, wie es weitergehen soll. Das alte, oft helle Original mit einer dezenten Farbe und einer Akzentuierung in Gold ist heute wohl am gefälligsten bei den alten Bornholmern. Dabei hat jede alte Uhr ihre eigene Faszination und inspiriert erneut zum Spielen. Und das ist auch gut so, denn das garantiert Ihnen ein einmaliges Stück.
Sorgfältig wird die helle Untergrundfarbe mit einem speziellen Bindemittel aufgebracht. Sie sorgt für die gute Haftung nachfolgender Farben, aber auch für eine stärkere Leuchtkraft dieser Farben.
Dann wird der Untergrund für die Vergoldung vorbereitet. Dafür werden spezielle feine Tonerden aufgebracht, die es in unterschiedlichsten Farben gibt. Am geläufigsten ist dafür der rote Bolus. Er schimmert nachher fein durch die Vergoldung und verleiht dem Gold eine schöne Tiefe. Da sich diese Tonerde sehr fein polieren lässt, ist sie der ideale Untergrund für eine hochglänzende Oberfläche.
Blatt für Blatt wird nun das Gold mit einem speziellen Pinsel aus Eichhörnchenhaar auf die Standuhr aufgebracht. Anschließend wird sie poliert und die Oberfläche abgeschlossen.
Jetzt hat meine alte Bornholmer ihre ersten neuen Lagen Schminke weg - doch ein bisschen zu neu sieht sie mir auch aus. Also greife ich erneut zum Pinsel und trage feine lasierende Deckschichten auf. Unterschiedliche Farben unterschiedliche Tön; so lange, bis im Zusammenspiel mit dem Untergrund eine neue Harmonie entsteht welche die Entstehungszeit meiner alten Uhr erahnen läßt .
Sie sehen, beim sorgfältigen Umgang mit der Zeit ist viel Zeit notwendig. Eben kleine, liebevolle Arbeitsschritte, die so eine Bornholmer wieder zum Leben erwecken.
Inzwischen hat auch der Uhrmacher sein "Werk vollrichtet" und sich der Uhrenmechanik angenommen. Jetzt können beide Teile zusammengefügt werden, und die Zeit kann wieder ihren gewohnten Lauf nehmen.
Und wenn es sein soll, "schicken wir für Sie die Zeit die Zeit wohlverpackt auf Reisen"
Herzlichst Ihre
Susanne Holzhausen

Das Anschneiden der Farbschichten mit einer scharfen Klinge
offenbart diverse Anstriche.

Die Uhr vor...

... und nach der Restaurierung. Es handelt sich bei diesem
Uhrentyp übrigens um einen "Mann".
Möchten Sie vielleicht mehr über die Geschichte der Bornholmer Standuhren erfahren? Hier finden Sie Tipps zum Aufstellen einer Standuhr.